Allgemein, Artikel, Bewegte Bilder, Filmkritik, Serien — 23. Februar 2014 at 18:19

Hannibal – Es ist angerichtet

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Hannibal ist kein Spaß, hinterlässt Leere und grenzt streckenweise an mentale Folter. Hannibal ist schwere, brutale Kost und bei weitem nichts für einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen ist Hannibal ein atemberaubendes Erlebnis für alle Serienliebhaber, die ihren Horizont hin und wieder gerne einmal über Pro7-Sitcoms, RTL-“Reality”-Shows und 0815-Crime-Serien hinaus erweitern.
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Hannibal erzählt die Vorgeschichte des Romans Roter Drache von Thomas Harries. Protagonist des Ganzen ist nicht etwa der namensgebende Kannibale Hannibal Lecter, sondern der FBI-Profiler Will Graham (Hugh Dancy). Gesegnet und verflucht mit der Fähigkeit der “puren Empathie”. Er kann nicht nur Emotionen und Gedanken anderer Menschen erkennen, er kann sie nachvollziehen, sie erleben und so für wenige Augenblicke sogar zu zu diesem anderen Menschen werden. Ein Segen für einen FBI-Profiler, der die brutalsten und kleversten Serienkiller der vereinigten Staaten jagt; ein Fluch für einen Menschen, der psychisch ohnehin schon angeschlagen ist. Wie lange kann man in den Abgrund starren, bevor dieser einen verschlingt? Hannibal (Mads Mikkelsen) kommt genau aus diesem Grund ins Spiel, als Psychiater für einen mental instabilen Dozenten, der sich immer stärker in den Abgründen, die er zu verstehen sucht, zu verlieren scheint.

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Wenn Hannibal Lecter aber doch nur eine Art Nebenrolle spielt, wieso ist die Serie nach ihm benannt? Ganz einfach, weil er keine Nebenrolle spielt, sondern mindestens genauso wichtig ist, wie der offensichtliche Protagonist Will Graham. Mit beängstigender Glaubwürdigkeit verkörpert Mads Mikkelsen mit Hannibal eine Art düsteren Puppenspieler, der seinem Marionetten solange freie Hand lässt, bis sie den kalkulierten Weg verlassen und er wieder an den Fäden zupfen muss. Ein intelligentes Monster, dessen Beute nicht einmal mit Fangzähnen in der Kehle merkt, dass es gejagt wird.

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Hannibal ist ein Gericht mit vielen Zutaten; Schauspieler, Musik, Inszenierung der Schauplätze und Handlung. Bei keiner der Zutaten haben sich die Produzenten mit etwas zweitklassigen zufrieden gegeben. Die Schauspieler, angeführt von Hugh Dancy und Mads Mikkelsen liefern ein Glanzstück ab. Die musikalische Untermalung ist eine Meisterleistung. Wenn sie da sein muss ist sie da, wenn sie fehlen muss fehlt sie. Wie der Duft einer leckeren Mahlzeit kündigt sie an, was kommen wird. Sorgt an genau den richtigen Stellen für genau die richtige Stimmung. Am Ende ist jede Folge ein beunruhigender, schmackhafter Gang des großen Gourmet-Menüs der ersten Staffel Hannibal.

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Hannibal ist eine Charakterstudie. Selbst- und Fremdwahrnehmung ist genauso ein zentrales Thema der Serie, wie die verschiedenen Defintionen unserer selbst. Wer wir sind, wer wir sein wollen, wer wir für andere sind und was wir im tiefsten Inneren wirklich sind. Gleichzeitig geht es um Manipulation und Erwartungen, an denen manch einer zu zerbrechen droht. Das alles ist schwere Kost und gemischt mit dem düsteren Stil der Serie, den brutalen Morden und dem unberechenbaren Handlungsverlauf bestimmt nicht jedermanns Geschmack, doch die Spannung die die Serie aufbaut, die Intelligenz mit der die Charaktere und die Handlung geschmiedet wurden und das unvergleichliche Staffel-Finale machen Hannibal zu einem absoluten Meisterwerk.

 

 

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