Allgemein, Artikel, Bewegte Bilder, Filmkritik, Serien — 7. Januar 2014 at 01:59

Lost – Gefangen im Strudel des Mysteriums

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Lost. Die Geschichte der Überlebenden des Oceanic Flugs 815, der auf dem Weg von Sydney nach Los Angeles in Turbulenzen gerät und auf einer geheimnisvollen Insel abstürzt. Eine Charakterstudie getrieben von Gefahren und Geheimnissen. Ein Musterbeispiel für eine geniale Serie und ein beispielloser Protoyp für mitreißende Konfrontationen mit der eigenen Psyche.

Lost. Die Geschichte einer Insel, die an all ihren Geheimnissen und versuchten Erklärungen irgendwann in sich zusammenfällt. Eine Charakterstudie, die in ihren Wirrungen und Wendungen irgendwann sich selbst verliert. Ein Musterbeispiel für die ständig existierende Kehrseite und ein beispielloser Protoyp dafür, dass eine Gruppe Serien-Schöpfer stets wissen sollte, wann Schluss ist.

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Lost lässt sich am besten mit einer geheimnisvollen Schatulle vergleichen. Ihre Verzierungen sind makellos und doch verworren, die Details sind wunderschön und doch fällt es schwer in ihnen klare Formen zu erkennen. Was sich wirklich in ihr verbirgt weiß erstmal niemand, aber spekulieren kann man ja. Während man sich so in den Wirrungen der Verziehungen verliert geistern einem die abstrusesten Theorien durch den Kopf. Irgendwann gibt man uns dann ein kleines Brecheisen in die Hand; endlich (?) können wir die Schatulle öffnen.

Aber wollen wir die Schatulle wirklich öffnen? Kann der Inhalt dieser Kiste wirklich das erfüllen, was wir uns ausmalten? Ich beantworte die Frage sehr einfach. Für mich bedarf Lost keiner Erklärung, denn Lost lebt von seinen Geheimnissen und der Konfrontation der Protagonisten mit diesen Geheimnissen. Lost bedeutet für mich “Robinson Crusoe im Myster-Setting” und zeichnet sich vorallem durch die Spannungen innerhalb der Gruppe der Überlebenden aus, die sich, konfrontiert mit den Gefahren und Mysterien der Insel, mal mehr mal weniger gerne zusammenrotten müssen, um zu überleben. Um auf den Vergleich zurück zu kommen: Ich lebe lieber mit der Ungewissheit, was die Schatulle nun tatsächlich verbirgt und stelle sie dafür unbeschadet und in all ihrer Pracht in meinen Schrank, als sie mit Gewalt zu öffnen und dann eventuell enttäuscht zu werden.

Überlebende

In Staffel 5 spätestens geht ein Großteil von dem, was Lost für mich bedeutete verloren. Die sechste Staffel schließlich soll erklären, was die Zuschauer schon die ganze Zeit beschäftigte und die lang ersehnten Antworten geben. Dass es da zu beleidigten Fans kommen wird ist logisch. Über 4 beziehungsweise 5 Staffeln lebte Lost davon, dass die Zuschauer immer wieder die Geschenisse und Mysterien der Insel hinterfragten und sich antworten zusammen sponnen und selbstverständlich ist kein Serienschreiber dazu in der Lage alle diese Zuschauer zufrieden zustellen. Natürlich ist das problematisch, aber im Rahmen der künsterlischen Freiheit überhaupt kein Problem. Die Schreiber sollen ihre Vision des Serienendes niederschreiben und nicht irgendetwas zusammen schustern, was möglichst viele Leute glücklich macht. Dennoch glaube ich nicht, dass das Konzept Lost bereits zu Beginn der ersten Staffel feststand und ich glaube auch nicht, dass jedes Geheimnis bereits zu seiner Einführung eine Antwort hatte.

In meinen Augen hat sich Lost irgendwann im Strudel des Mysteriums verloren und wurde so immer tiefer in einen schrecklichen Kreislauf aus Antworten, neuen Geheimnissen und wahnwitzigeren Erklärungen verloren. Grund dafür ist wahrscheinlich der Erfolg der Serie, was sich nämlich verkauft wird heutzutage möglichst lange am Laufen gehalten. So überschritt Lost irgendwann seinen Zenit und konnte am Ende zwangsläufig nur Enttäuschung zurücklassen.

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Mein Fazit: So merkwürdig es nach diesem Text vielleicht auch klingen mag. Schaut euch Lost an, werdet Teil der Überlebenden und stellt euch gemeinsam mit den Charakteren, die ihr in den ersten Staffeln immer besser kennen lernt den Geheimnissen der Insel. Lasst euch von Lost in moralische, menschliche und philosophische Zwickmühlen führen und habt eine gute Zeit. Lost ist es wert geschaut zu werden auch wenn es hätte abtreten sollen, als es noch die grandiose Serie war, als die es startete.

Enden will ich jetzt mit einem sehr passenden Zitat aus dem Videospiel Alan Wake:

In a horror story, the victim keeps asking “Why?” But there can be no explanation, and there shouldn’t be one. The unanswered mystery is what stays with us the longest, and it’s what we’ll remember in the end.

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