Allgemein, Art, Artikel, Games, Serien — 17. November 2013 at 13:54

Wenn Spiele mehr sind… Teil 5: The Walking Dead

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white-zombieZombies sind Popkultur. Spiele, Filme, Serien, ja sogar in der Musik haben die untoten Hirnfresser Einzug gehalten. Seit ihrem ersten namentlichen Filmdebüt in Victor Halperins White Zombie im Jahre 1932 wurden die schlurfenden Untoten immer wieder neu erfunden und neu definiert. Mal rennend, mal schlurfend, mal durch einen Virus, mal durch schwarze Magie heraufbeschworen bahnen sich Zombies durch die Unterhaltungs-Industrie. Getreu dem Motto “Alles ist besser mit Zombies” schleudern uns Filme- und gerade Videospielmacher die hirngeilen Leichen immer wieder entgegen, so dass der Zombie immermehr zum Fanservice verkommt und seine Wurzeln als Horrorgestalt stetig mehr zu verlieren scheint.

Leidtragende sind natürlich primär die schlurfenden Untoten, die von der bedrohlichen Albtraumgestalt der Neuzeit plötzlich zum Kuscheltier degradiert werden und sich mit einem Mal nicht mehr mit der Armee, sondern mit einem Haufen kernespuckender Blumen konfrontiert sehen. Fans der bestialischen Monster kommen nicht besser weg. Alles zerfällt in einem Meer aus Kommerz und Wahnsinn. Zombies verkommen zur Marketingstrategie, Aliens zum Missing-Link in unserer Entwicklung. zombie-plushtoyVampire suchen nicht mehr nach Blut, sondern nach ihrer großen Liebe, funkeln im Sonnenlicht und haben in ihrem langen Leben nichts besseres zu tun, als Baseball zu spielen. Wo sind die alten Zeiten geblieben, in denen Monster noch Monster waren?

Eine Personengruppe wird hierbei gerne übersehen, die Regisseure und Spielemacher, die sich dem verschrieben haben, was Zombies und Co erst so populär machten: Angst und Hoffnungslosigkeit. Eben die Leute, die in einem Zombie nicht nur Kommerz, sondern die Verkörperung einiger der schlimmsten Ängste des Menschen sehen.

clem-handDas Gefühl plötzlich allein zu sein. Das Gefühl, dass Menschlichkeit plötzlich keine Tugend mehr ist, sondern zu einem Hindernis wird. Die Angst, dass alles was dir lieb und teuer war vor deinen Augen zerspringt. Dass die Familie die du liebst, die Freunde die dir wichtig sind, mit einem Mal nicht einfach nur fort, sondern sogar Teil der Gefahr geworden sind. Die Angst aus dem Leben, das man vielleicht nicht immer mag, aber wenigsten kennt, herausgerissen zu werden. Die Gewissheit, dass auch in dir ein Monster steckt, das nur darauf wartet herauszubrechen. Und schlussendlich die Angst nirgends mehr sicher zu sein. Hier kommt Telltale Games mit ihrer Adventure-Serie  The Walking Dead ins Spiel, denn kaum ein zweites Entertainment-Produkt der letzten Jahre schafft es so überzeugend  zu zeigen, wieso der Zombie überhaupt zu dem Star wurde, der er heute ist.

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Was The Walking Dead als Zombiespiel so gut macht ist die simple Tatsache, dass die Zombies teil des Settings und nicht der eigentlichen Geschichte sind. Zombies und die Bedrohung, die von ihnen ausgeht ist allgegenwärtig, ohne Zombies könnte das Spiel schlicht nicht exisitieren, dennoch lebt die Faszination des Erlebnisses The Walking Dead auch losgelöst von den schlurfenden Untoten weiter. Als Spiel überzeugt die Adventure-Reihe, weil sie die Interaktivität eines Videospiels nutzt, um den Spieler in seine Welt zu saugen. Sich mit einem Charakter zu identifizieren fällt eben wesentlich leichter, wenn man sich selbst in ihm ausdrücken kann. Spielerisch ist das Ganze nicht fordernd oder kompliziert, tatsächlich ist man die meiste Zeit über mit Reden beschäftigt, aber dennoch reicht es, um sich nicht nur in den Protagonisten Lee hereinzuversetzen, sondern er zu werden.

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Zombies und tollgenutzte Spielkonzepte machen einen Titel zwar zu einem guten, aber nicht zu einem ausgezeichneten Spiel. Im Laufe des letzten Jahres wurde Telltale Games’  The Walking Dead mit Preisen geradezu überhäuft, ein Erfolg der vorallem einer Errungenschaft geschuldet ist: den wahnsinning glaubhaften, liebens- und hassenswerten Charakteren. Wenn man nach der ersten gespielten Episode plötzlich feststellt, dass man alles für diesen kleinen Pixelhaufen namens Clementine tun würde und man irgendwo zwischen zwei Zeilen Programmcode sein Herz verloren hat, dann ist das der Moment, der deutlich macht, wieso The Walking Dead eigentlich so viel mehr ist, als nur ein Spiel. Doch so magisch und herzzerreißend es auch ist, so knallhart ist es auch. Eine Zombieapokalypse ist kein Kindergarten. Es geht um Tod, Hunger und Verzweiflung, um Menschlichkeit und um Überlebenswille. Lebt mit den Konsequenzen eurer Handlungen oder sterbt in dem Wissen, dass euer Wort für einige den Tod bedeutet.

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Es ist die Kunst eine so oft erzählte Geschichte einzigartig zu machen, die Kunst einem schnöden Pixelhaufen so viel Leben einzuhauchen, das man eine echte Bindung zu ihm aufbaut und zu guter Letzt die Kunst aus einer Aneinanderreihung von Buchstaben, Zahlen und Symbolen echte Emotionen zu kreiieren, die The Walking Dead so atemberaubend macht. Wenn es ein Spiel schafft dich zu Tränen zu rühren, dich Zweifel zu lassen, Hoffnung in dir weckt, dich die Angst spüren lässt, alles zu verlieren, die Verzweiflung eines weiteren Tages ohne Nahrung greifbar macht und dich doch an einen Charakter bindet, wie an einen guten Freund, dann ist es weitaus mehr, als bloß ein Spiel; dann ist es nichts weniger, als ein Meisterwerk!

Mit freundlicher Unterstützung von totg-logo-1

 

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