Bewegte Bilder, Filmkritik, Serien — 19. Februar 2013 at 12:45

Dexter

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Dexter-1Dexter Morgan ist ein netter Kerl. Er hat Spaß an seinem Job, ist immer freundlich, hat eine bezaubernde Freundin und eine gute Beziehung zu seiner Familie. Er ist beliebt, sei es bei seinen Kollegen, den Kindern seiner Freundin oder bei Wildfremden. Innerlich ist er leer, tot, verkrüppelt. Er trägt Masken, um nicht aufzufallen. Er verstellt sich, um zu recht zukommen. Er mordet, weil er es muss, weil er es will, weil er nicht anders kann. Er ist ein Killer. Dexter Morgan ist ein Serienmörder.

Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Mutter auf brutalste Art und Weise umgebracht wurde. Drei Tage lang, war er mit der zerstückelten Leiche seiner Mutter und literweise Blut in einem Frachtcontainer eingesperrt. In diesen Tagen reifte etwas in ihm heran, etwas Böses, etwas, das den Jungen von innen heraus auffraß, ihn innerlich tötete und ein Wesen zurück ließ, das mehr Ding als Mensch ist. Dieses Wesen, Dexter Morgan, wuchs bei Zieheltern auf.

Dexter-3Sein Ziehvater erkannte, dass Dexter nicht normal ist; erkannt Dexters Drang zu töten und erzog ihn zu einem Meister der Masken, des vorgetäuschten Lebens und des bizarren Schauspiels ein Leben zu führen, das lebloser nicht sein könnte. Er legte einen ungeschriebenen Kodex nieder, legte die Regeln fest, nach denen Dexter lebt, leben lässt und eben auch tötet. Jetzt jagt er Mörder. Tötet die, die dem Gesetz durchs Netz gegangen sind, versucht seinen Drang zum Morden zukontrollieren und muss gleichzeitig ein Leben vortäuschen, das nicht existiert. Er arbeitet als Blutspezialist in der forensischen Abteilung des Police Department Miamis. Dient als ständige Ansprechperson seiner Schwester und kümmert sich fürsorglich um die Kinder seiner Freundin.

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Dexter basiert auf dem Roman Darkly Dreaming Dexter des amerikanischen Autors Jeff Lindsay. Der Roman ist der erste Teil einer Buchreihe über den Serienkiller Dexter Morgan. Inhaltlich orientiert sich die erste Staffel der Serie sehr stark an den Handlungen des Romans. Diese Ähnlichkeiten verblassen mit dem weiteren Fortschreiten der Serie aber immer mehr,  so das sich spätestens die dritte Staffel als eigenständiges Werk in der großen Welt der Medien behaupten musste. Mittlerweile geht Dexter in die achte Runde und hat seit der ersten Staffel immer wieder Preise und Auszeichnungen abgeräumt.

Am besten beschreibt sich Dexter als verdrehte und bizarre Superhelden-Geschichte. Dexter Morgan lebt ein unscheinbares Leben, um geheim zu halten, wer oder was er wirklich ist. Im Schutze der Nacht geht er seinem Drang, gleichsam seiner Aufgabe nach und reinigt die Straßen von den Mördern der Stadt. Er ist der dunkle Rächer des Gesetztes und springt dort ein, wo die Justiz versagt. Trotzdem ist Dexter Morgan ein Mörder. Ein blutrünstiger, kalter und berechnender Killer, der töten muss, um zu leben. Dieser Widerspruch macht den wahren Reiz der Serie aus. Denn sie präsentiert uns einen Hauptcharakter, der eigenwilliger nicht sein könnte; lässt uns tief in seine Seele und seine Gedanken schauen, zeigt wie er lebt und tötet; zeigt wieso er tötet und wie er zudem wurde, was er ist. Dexter urteilt nicht über sich selbst und auch der Ton der Serie urteilt nicht. So wird der Zuschauer allein gelassen,  allein gelassen mit einem Killer, den es einzuschätzen und zu bewerten gilt.

Dexter-4Wenn dann die dunkelsten Geheimnisse dieses Menschen offen gelegt werden findet man sich plötzlich in einer herrlichen inszenierten Zwickmühle des eigenen Gewissens. Denn obwohl man immer weiter in die Psyche des Killers eintaucht und irgendwann versteht, wieso er tut, was er tut, bleibt er doch ein Killer. Auf der einen Seite ist er ein treusorgender Freund und Vaterersatz, auf der anderen Seite zerstückelt er Leichen und beschreibt sich selbst als bestialisches Monster.

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Doch eine gute Idee und eine nette Ausgangssituation führen nicht zu einer Serie mit aktuell acht Staffeln. Es ist das Spiel mit dem Wissen der Zuschauer. Dexter wagt den Tanz auf dem schmalen Grad zwischen Komik und Tragödie und inszeniert eine aberwitzige Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Selbst redend, handelt es sich dabei um einen sehr schwarzen Humor, der hauptsächlich dadurch entsteht, das Dexter das normale Leben aus den Augen eines emotional verkrüppelten Serienmörders beurteilt. Dieser Humor ist perfekt in die Dynamik der Serie eingeflochten und nimmt zu keiner Zeit überhand, viel eher schwingt er mit, wie Dexters unterbewusster Wunsch nach einem maskenfreien Leben.

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Trotz alledem ist die Serie Dexter kein blutrünstiger Ekeltripp für Splatter-Fans, sondern eine sehr fein komponierte Crime-Drama-Serie, die nicht etwa den mordenden Dexter in den Mittelpunkt stellt, sondern viel mehr den Teil, der versucht mit sich selbst und der Welt um ihn herum fertig zu werden.  Fans von Action und schnellem Erzähltempo werden hier nur sehr spärlich auf ihre Kosten kommen, da sich jede Staffel viel Zeit nimmt die Charaktere und die Situation zu etablieren.

Wunderbar getragen wird dies vor allem durch die hervorragenden Schauspieler, allen voran der großartige Michael C. Hall (Six Feet Under/ Gamer), als Dexter Morgan. Nicht zu verachten ist auch der Soundtrack der Serie, komponiert von Daniel Licht. Er unterstreicht die Stimmung der Serie auf unnachahmliche Weise und erzeugt durch eine fantastische Mischung aus schwungvollen  Latino-Tönen und ruhigen, aber nicht weniger intensiven Musikstücken.

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Kurzum: Dexter ist eine fantastisch inszenierte Serie, über den Menschen, seine Abarten und Verhaltensweise. Sie präsentiert einen glaubwürdigen, aber dennoch nahezu unmöglich greifbaren Hauptcharakter und erzeugt so einen gefährlichen Strudel aus Spannung, Witz und Stimmung, der einen so schnell nicht loslassen wird.

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