Allgemein, Cultra.FM, Workshops — 28. September 2011 at 12:46

Augen zu und durch!

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Was heißt das, „Die Augen zumachen?“ Ganz klar. Man sieht nichts.

Am letzten Wochenende habe ich oft die Augen zu gemacht. Öfter als sonst, glaube ich sogar. Und anders als sonst, weiß ich.

Die Vorbereitungen für das nächste Hörkino-Intensiv-Wochenende sind schon in vollem Gange, dabei kann ich es mir kaum intensiver vorstellen, als dieses Wochenende schon gewesen ist.

Alles begann am Freitagnachmittag, nicht ganz „17 Uhr glatt“. Zwischen den Stühlen im Cultracafé baumelten eine ganze Menge Beine, alle von Menschen, die ich noch nicht kannte. Zusammen mit der spätsommerlich warmen Luft wirkte das ein bisschen eng; ich hab es immer lieber, erst mal auf Distanz zu gehen, wenn ich in einer neuen Gruppe bin. Immer erst mal die Lage austesten, gucken, „wie die so sind“. Nicht nur mir ging es so, auch den fast 20 Leuten, die da mit mir im Raum saßen und gespannt waren, wie ihnen das Hörkino-Schnupperwochenende gefallen würde. Eher bescheiden stellte sich jeder vor, mancher leiser, mancher (erfahrene) auch lauter.
Und dann ging’s los.

Ausgestattet mit teilweise kurzen, aber sehr bequemen Augenbinden machte man es sich im Radio auf dem Sofa oder Fußboden bequem, schloss die Augen und konnte trotzdem plötzlich jemanden durch den (Jump-and-Run) „Limbo“ spazieren, unter die Wasseroberfläche tauchen und vielleicht sogar über Wurzeln klettern sehen. Eingestimmt – und irgendwie viel erleichterter als ganz am Anfang – bewegten wir uns zum umfunktionierten Schnittraum, wo ich zusammen mit Ruben und Fabian vorher alle möglichen, eher unscheinbaren Gegenstände verteilt hatte. Hier lagern alle wichtigen Dinge, die einem Hörkino erst sein klangliches Volumen verleihen: Stoffbahnen, Tüten, Erbsen, Pappe, Siebe, Luftballons. Brauchbarer Lärm. „Augen zumachen“ hieß es wieder. Und jetzt hinhören. Das ist auch sehr wichtig für eine „Klangdusche“; sie wirkt sonst nicht richtig, klingt dann nicht nach meer. Denn manchmal schränkt das Sehen das Hören ein. Will sagen: Mit offenen Augen klingt eine Plastiktüte halt einfach nach Plastiktüte und nicht nach Feuer.


Eine Szene im Drehbuch war schon ausgeteilt worden, als „Probe auf’s Exempel“ sozusagen. To do: Den Text im Radio einsprechen und live mit den gefundenen Geräuschen untermalen. Und ich muss sagen: für einen ersten Versuch sind dabei ziemlich gute Ergebnisse rausgekommen. Jeder hat sich schon mal mit dem eigentlichen Geschäft des Raschelns, des Knisterns und des Sprechens auseinandergesetzt und alle wirkten sichtlich zufrieden mit ihren vertonten Szenen. Mir persönlich ging das natürlich runter wie Öl, hatte ich mich doch lange vorher schon auf die Suche begeben, hatte ich doch gedacht: Finden die anderen das Hemd dann auch so passend für einen „Herzschlag“? Fandet ihr. Danke dafür :)

Was heißt das, „die Augen zumachen“? Sich etwas mehr verlassen – auf seine anderen Sinne, auf seine Umgebung. Einlassen.

Samstag habe ich die meisten wieder erkannt (einige waren auch frisch dabei), habe mich in diesem Stuhlkreis schon wohler gefühlt, habe ich mich echt gefreut auf die Improvisationsübungen im Saal, wo wir schnellen Schrittes plötzlich „gefreezt“ worden sind (so sagt der Dramaturg, wenn er spontane Gefühlsäußerungen im Stillstand sehen will); mal glücklich, mal erschöpft, mal vor Wut schreiend. Ein bisschen albern war’s natürlich, aber man konnte sich mal einen Tag lang richtig kreativ ausleben, sich in einer improvisierten Moderationsshow von einem anderen als „Erfinder der Simpsons“ oder als „Schulabbrecher in der Mülltonne“ vorstellen lassen. Klopapier gab’s dann zuhauf, als die Aufgabe hieß: „In euren kleinen Gruppen wickelt ihr mit bitte einen oder maximal zwei Leute komplett in Klopapier ein und erzählt uns dann die Geschichte, wie es dazu gekommen ist.“ Und wir erzählten von Einbrechern in einer Klopapierfabrik, die versuchten, sich zu tarnen; wir erzählten von lilanen Außerirdischen mit Mülltonnendeckel-Köpfen, die Barack Obama entführten und von Ganzkörper-Schönheitsoperationen.

Und wem es peinlich war, der konnte es jederzeit auf die Aufgaben schieben. Musste ich aber nicht, mir ging es sehr gut dabei, ich habe viel gelacht und mich versucht, wie man nur sich versuchen kann: mutigen Schrittes und überzeugt. :)

Was heißt das, „die Augen zumachen“? Manchmal heißt es auch einfach, die Welt einmal Welt sein zu lassen. Zurücklehnen und Revue passieren lassen.

Das vergangene Wochenende war ein voller Erfolg für mich und ich gehe davon aus, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin. Also alles paletti. :D

Als Abschluss gibt es für euch jetzt noch 2. der improvisierten Kurzgeschichten. Viel Spaß!

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