Bücher — 14. Dezember 2010 at 19:16

Janne Teller „Nichts. Was im Leben wichtig ist“

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nichtswasimleben

„Nichts. Was im Leben wichtig ist“, ist der Titel eines der großartigsten Bücher die ich in letzter Zeit zu lesen bekam.

Als mir vor kurzem eine Freundin das schlicht weiß gebundene Buch mit dem viel versprechenden Titel in die Hände drückte und mir sagte das Buch hätte sie im Unterricht durchgenommen, ich sollte es unbedingt lesen, war ich zuerst etwas skeptisch. Von Schullektüre ist man ja oftmals eher genervt als begeistert, da sie streckenweise sehr trocken sein kann und es einem einfach keine Freude bereitet, gezwungen zu werden ein Buch zu lesen, dessen Geschichte im ersten Moment subjektiv als uninteressant empfunden wird und dann auch noch in einer fremden Sprache geschrieben zu sein scheint.

Als sie mir anfing näheres zu dem Buch und der Autorin zu berichten machte sie mich neugierig. Das Buch ist von der Dänin Janne Teller geschrieben. Diese bekam 2001 kurz nach erscheinen des Buches den Kinderbuchpreis des dänischen Kulturministeriums für ihr Werk verliehen. Zu dem Zeitpunkt war mein Interesse wieder auf den Nullpunkt, da ich keinerlei Interesse hegte ein Kinderbuch zu lesen.

Jedoch wendete sich das Blatt als meine Freundin weiter erzählte, dass das Buch kurz nach Erscheinen auf einen heftigen Widerstand traf. Der Widerstand ging so weit, dass es sogar an vielen Schulen als Schullektüre verboten wurde und auch heute darf es noch an einigen Schulen in Dänemark nicht im Unterricht gelesen werden. In Deutschland ist das Buch 2010 erschienen und ist seitdem in vielen Büchereien vergriffen. Massenhaft Jugendlichen kaufen und lieben es. Im Gegensatz dazu finden die Eltern das Buch oftmals eher besorgniserregend, da die Gewaltbereitschaft und die schonungslose Ehrlichkeit der Buchcharaktere sie teilweise schockieren.

In dem Buch geht es um den Siebtklässler Pierre Anthon, der eines Tages für sich beschließt nicht mehr zur Schule gehen zu wollen. Von da an sitzt er Tag ein, Tag aus auf dem Pflaumenbaum vor seinem Elternhaus und bombardiert seine Schulkameraden mit unreifem Obst sowie seinen Lebensphilosophien. Seine Klassenkameraden versuchen ihn anfangs noch zu ignorieren, lassen sich aber mehr und mehr von seinen zynischen Aussagen beeinflussen. Mit seinen nihilistischen Aussagen wie „In demselben Moment, in dem ihr geboren werdet, fangt ihr an zu sterben. Und so ist das mit allem.“ Oder „Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“, schafft es Pierre Anthon, ihnen nach und nach die Lebensfreude zu nehmen.

Die Jugendlichen wollen ihn deshalb schnellstmöglich ruhig stellen. Ihr Plan ist es, ihn vom Sinn des Lebens zu überzeugen. Sie wollen den Beweis antreten, indem Sie anfangen Dinge, die für Sie eine große Bedeutung haben, zu sammeln und diese auf den “Berg der Bedeutung zu legen”. Jeder Einzelne von Ihnen soll etwas beisteuern was eine große Bedeutung für ihn persönlich beinhaltet. Es fängt relativ harmlos an, indem die Erzählerin der Geschichte ihre grünen Lieblingssandalen abgeben muss und steigert sich bis zu einem Gebetsteppich, den Sarg des kleinen Emil, bis hinzu Sofies Unschuld und Johans Zeigefinger. Die Situation steigert sich von einer fixen Idee zu einem Drama von unglaublichem Ausmaß.

Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen und war wie gebannt von der Intensität dieser Geschichte. Während ich es las, musste ich immer kurz innehalten, um darüber nachzudenken was dort gerade passiert und wie großartig die Schriftstellerin die einzelnen menschlichen Abgründe darstellt. Mich hat seit langem keine Geschichte mehr so berührt und gefesselt, wie die dieses Buches. Für mich gehört es weder in die Kategorie „Kinderbuch“, noch in die Kategorie „Erwachsenen-Literatur“. Meiner Meinung nach sollte jeder, egal welchen Alters, dieses Buch lesen und sich seine eigenen Gedanken machen.

Für mich ist dieses Buch ganz weit vorne auf meiner Weihnachtsgeschenke-Liste.  Ich werde es mehreren Freunden schenken und denke, dass ich damit viele meiner Lieben eine große Freude machen werde und Sie vielleicht zum Nachdenken anrege.

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